
Rollst du noch oder Rockst du schon?" – Wie Rock & Rollinger 2009 die Alb zum Beben brachte
2009 legte Rock & Rollinger mit „Rollst du noch oder Rockst du schon?" einen Volltreffer hin, der schwäbischen Mundart-Rock salonfähig machte. 15 Jahre später ist klar: Dieses Album ist Kult – und hat nichts von seiner Wucht verloren.
Es gibt Alben, die kommen und gehen. Und dann gibt es Alben, die bleiben. „Rollst du noch oder Rockst du schon?" von Rock & Rollinger gehört ganz klar in die zweite Kategorie – auch wenn's 2009, zur Veröffentlichung, noch keiner so genau wusste.
Schon der Titel war eine kleine Frechheit: Augenzwinkernd geklaut von einem schwedischen Möbelhaus, das damals gefühlt aus jedem zweiten Werbespot brüllte. Aber während man bei IKEA höchstens einen Kleiderschrank zusammenschraubt, hat dieses Album hier ordentlich eingeschlagen – und zwar nicht zum Selberbauen, sondern zum Direktdurchstarten.
Ein Sound, der nach mehr klang als "Schwabenrock"
Wer bei Mundart-Rock noch an dünne Gitarrenriffs und Karaoke-Produktion dachte, wurde hier eines Besseren belehrt. Andy Susemihl – seines Zeichens Produktionsprofi mit internationalem Renommee – hat der Platte einen Sound verpasst, der sich vor keiner Weltband verstecken muss. Wuchtig, glasklar, druckvoll. Das war kein Schwabenrock zum Schmunzeln, das war Schwabenrock zum Ernstnehmen.
Und genau das war wohl das Geheimnis: Die Musik nahm sich selbst ernst, ohne dabei den Humor zu verlieren. Eine Gratwanderung, die selten so gut gelingt.
Die Songs, die hängenbleiben
Klar, Die Schwabenhymne ist der Song, den heute jeder mitgrölt, der auch nur ansatzweise was mit dem Ländle am Hut hat. Eingängig, hymnisch, mit Zeilen, die jeder Schwabe sofort unterschreiben würde – wenn er nicht gerade zu beschäftigt damit wäre, laut mitzusingen.
Aber wer nur bei der Hymne hängenbleibt, verpasst die Tiefe des Albums. Von dr Alb ra ist brachial, dunkel, fast schon episch – ein Track mit so viel Wucht, dass er es später sogar bis nach Hollywood geschafft hat. Nicht schlecht für ein Lied, das von der heimischen Hochfläche erzählt.
Ganz anders dann Sommer auf der Alb: entspannt, warm, fast schon meditativ. Ein Song, der das Lebensgefühl auf der Alb einfängt, als hätte man ihn direkt aus einem lauen Sommerabend destilliert. Und dann ist da noch Sei Andersch – eine gewitzte, liebevolle Verneigung vor den Foo Fighters, die "The Pretender" kurzerhand in die schwäbische Lebensrealität übersetzt hat. Chapeau.
Wer's lieber bissig mag, findet in Sau Karle Sau seinen Favoriten: knallharte Gesellschaftskritik, verpackt in mitreißenden Rock 'n' Roll. Zeigt, dass die Band nicht nur unterhalten, sondern auch mal den Finger in die Wunde legen wollte.
15 Jahre später: immer noch frisch
Was macht ein Album zeitlos? Vielleicht, dass es nie versucht hat, dem Zeitgeist hinterherzulaufen. „Rollst du noch oder Rockst du schon?" klang 2009 nicht wie das, was gerade im Radio lief – und genau deshalb klingt es heute noch genauso gut wie damals.
Auf den Streaming-Plattformen läuft das Album bis heute fleißig mit, und wer eine der originalen Audio-CDs sein Eigen nennt, besitzt inzwischen ein echtes Sammlerstück. Nicht schlecht für eine Platte, die eigentlich nur zeigen wollte, dass man auf der Alb auch anständig rocken kann.
Fazit: Egal ob Rollen oder Rocken – dieses Album hat sich für Letzteres entschieden. Und damit alles richtig gemacht.

Dokumentation und Aufarbeitung der Geschichte von Rock & Rollinger, schwäbischem Mundartrock und regionaler Musikkultur.
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